Smartphone-Nutzung 2018

Smartphone-Nutzung 2018: Aus ‚Ruf mal an‘ wird ’schreib mal wieder‘

Früher war das Telefon ein Telefon. In Zeiten von handlichen („handy“) Telefonie-Geräten hat das Festnetz seine Bedeutung verloren. Die Smartphone-Nutzung hat uns und unser Leben verändert und dennoch: Smartphones werden immer weniger zum Telefonieren benutzt. Texten ist in und die gute alte E-Mail ist mehr als nur ein Dauerbrenner. Warum & wieso? Interessante Einblicke in die Nutzung von Smartphones bei uns in Deutschland, wie ich diese in meiner Testgruppe „Familie & Co.“ bestätigt finde und welche Einflüsse sie zukünftig auf unser Marketing haben werden…

 

 

Telefon ist in – telefonieren ist out. Eigentlich logisch, oder doch nicht?

„Kinder, Essen ist fertig…“ – was früher ein Ruf ins Kinderzimmer über die Treppe hinweg war ist heute deutlich digitaler geworden. Passt mir nicht immer, aber ist wesentlich effizienter. Da wo der Ruf manchmal ins Leere hallt, erreicht die Textnachricht via WhatsApp sicher zeitnah ihren Adressaten.

Ach ja, anfangs hab ich es noch mit einem Anruf versucht. Aber wenn der Sohn das Handy mal wieder im Flugmodus betreibt um den Akku zu schonen (… irgendwie ist da anscheinend nie mehr als 5% Restladung drauf), hör ich wie so oft nur: „Dieser Anschluss ist zur Zeit leider nicht zu erreichen.“ Und die Tochter schreibt sowieso zügig eine Antwort, denn „Telefonieren ist so Steinzeit…“ Hauptsache, sie selbst muss nicht zu lange auf eine Antwort werden, denn dann wird sie ziemlich „ungemütlich“ – womit sie wiederum völlig im Trend liegt.  ;-) )

Als wir unseren Kindern im damals jeweils zarten Alter von rund zehn Jahren ihr erstes eignes Handy schenkten, war es noch kein Smartphone. Das hat sich natürlich bei den heutigen Zehnjährigen schon geändert. Wozu schließlich ein Handy, wenn man doch nur damit telefonieren kann?

Smartphone-Nutzung im Wandel: Mehr texten statt telefonieren

Aber mal ehrlich, wer nutzt heute schon nur noch die Telefonie-Funktion? Das Festnetz spielt immer weniger eine Rolle und selbst die Mobilgesprächsminuten stagnierten zuletzt schon.

Infografik: Ruf doch mal an! | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Mehr Mobiltelefone als PCs – wie sich die Smartphone-Nutzung veränderte

Mittlerweile gibt es deutschlandweit rund 57 Mio. Smartphone-Nutzer.  Und in 2017 besaßen erstmals mehr Deutsche (rd. 85%)  im Alter zwischen 14 und 69 Jahren ein Smartphone als einen PC. Und die Nutzung hat sich gewaltig verändert.

Telefonieren ist out. Texten ist in.  Die Anzahl der verschickten SMS- und WhatsApp-Nachrichten in Deutschland von 1999 bis 2014 mit Prognose für 2015 hat Statista dokumentiert. Demnach stieg das SMS-Aufkommen von 10,7 Mio. täglich (1999) bis rd. 163 Mio. täglich (2012) um dann dramatisch einzubrechen – parallel zum Siegeszug der WhatsApp. Der Dienst, der 2009 gegründet worden war und in Februar 2014 von Facebook gekauft wurde, verzeichnete ab 2013 da einen massiven Texting-Aufschwung: Von zunächst annähernd gleichen Nachrichtenaufkommen (101 Mio. SMS gg.über 133 Mio. WhatsApp) stieg der WhatsApp-Versand rapide auf 400 Mio. Nachrichten tägl. in 2014 und lt. Erhebung prognostizierte 667 Mio. täglich in 2015.

Aktualisierung vom 08.05.2018:

Die SMS als Auslaufmodell. Laut der heute von Statista herausgegebenen Aktualisierung ist die Zahl der jährlich verschickten Kurznachrichten in Deutschland von 59,8 Mrd. auf rd. 10 Mrd. gesunken.

Infografik: Auslaufmodell SMS | Statista
Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Beim Reden Gesagtes kann man nicht zurückholen – beim Texten aber schon…

Wo unsere Eltern früher noch dem Telefonkabel bis in unsere Zimmer folgen, wenn sie wissen wollten, wo es ist (und es sowieso vorher schon ahnten), ist es heute deutlich schwieriger festzustellen, womit die Teenager gerade die Zeit verbringen.

Meist ist es ein Zappen zwischen Social Media Kanälen wie Instagram und Snapchat oder Youtube und die schnelle Antwort via WhatsApp. Wobei schnell immer noch wohlüberlegt sein kann, denn beim Schreiben kann man – wenn es wichtig genug ist – immer noch erstmal drüberlesen bevor es weggeschickt wird.

Aber – oh weh – wenn dann die Nachricht an den Liebsten versehentlich den Falschen (Kollegen, Chef oder Exfreund) erreicht hat… Bei WhatsApp gibt es Löschoptionen – nicht mehr nur auf dem eigenen Gerät sondern direkt auch auf dem des anderen. Zunächst nur innerhalb von sieben Minuten, aber es gibt Tricks & Work-Arounds diese Zeit dann doch zu verlängern.

Schreiben  bleibt weiter im Trend

Totgesagte leben länger… . In 2017 sogar nochmals deutlich länger, sprich: mehr. So stieg das E-Mail-Aufkommen der Deutschen von 625,8 Milliarden Mails in 2016 auf 771 Milliarden im Jahr 2017. In diesem Jahr rechnet man bereits mit 917 Milliarden.

 

Infografik: Die Deutschen verschicken immer mehr Mails | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

 

Was dieser Trend für uns im Alltag bedeutet?

Zum einen müssen wir mit deutlich mehr E-Mail- und kommunikationsfreien Zeiten rechnen – nicht nur im beruflichen Kontext. Denn E-Mails zu lesen ist anstrengend und das oder die Postfächer leiden unter chronischer Überbelastung.

Andererseits sind wir im Business noch mehr gezwungen dafür zu sorgen, dass unsere E-Mails und Newsletter im Wust der Postfächer nicht mehr nur ankommen, sondern möglichst auch wahrgenommen und gelesen werden.

Da aber bis hin zum Auge (und Herz) des Betrachters zu kommen wird eine Herausforderung sein.

Trend: Videos & Visualisierung

Im Zuge des Video-Trends werden vermutlich viel mehr Bewegtbildformate in die E-Mail integriert werden. Produktvideos auf Youtube – eingebunden in die Mail. Sie schaffen neue Nutzererlebnisse, transportieren Emotionen und wirken stärker als es reiner Text kann.

Trend: Interaktion

Warum erst eine Landingpage besuchen, wenn die E-Mail bereits interaktive Elemente enthält? Ob Bildergalerien, Navigationselemente, Bestelloptionen, ganze Warenkörbe inklusive Bezahlmöglichkeiten… die Chancen den Kunden direkt schon in der E-Mail emotional zu packen werden zunehmen.

Trend: E-Mailautomatisierung – aber bitte personalisiert

Massenmails? Das war einmal. Der Empfänger und (potentielle) Kunde möchte persönlich angesprochen werden. Aber Vorsicht: Aufgrund der Vielzahl der erhobenen Daten wird die neue Datenschutzgrundverordnung, die ab Mai europaweit greift, noch ihre Auswirkungen zeigen und nimmt Unternehmen sehr viel stärker in die Pflicht, alles zu dokumentieren und transparente Prozesse abzubilden. Gerade auch im E-Mailmarketing wird sich dies niederschlagen.

Trend: Chatbots & Künstliche Intelligenz

Sofort eine Antwort erhalten? Kein Problem. Die Technik rund um intelligente Gesprächsverläufe wird es möglich machen, dass E-Mails quasi just-in-time ins Postfach gespült werden, wenn die Frage erstmal gestellt und von KI analysiert wurde. (s. Beitrag auf act.com)

Aussichten, die einerseits enormes Potential bieten, andererseits aber auch ein bisschen Sorge bereiten.

Beim Zukunftsforum der DPRG gab ich  u.a. zur Frage nach der Rolle von Kommunikation in Zeiten von Chatbots und KI ein Interview für Medienrot und bin überzeugt, dass es weiterhin der menschlichen Antworten bedarf. Warum, können Sie hier nachhören.

 

Worauf müssen wir uns also einstellen?

Zum einen darauf, dass wir zunehmend gute Inhalte über verschiedene Kanäle an genau diejenigen ausspielen, die sie interessieren. Das bedeutet noch mehr:

  • Genaue Zielgruppenkenntnisse
  • Betrachtung aus User-Perspektive
  • exakte Personalisierung
  • Contentstrategie mit Planung der jeweiligen Inhalte
  • Kanalübergreifende Strategien mit Kanalspezifischen Contentlösungen

Darüber hinaus für uns alle:

  1. Öfter mal eine Ruhepause für Herz, Hirn und Augen
  2. Mehr Zeit ins Storytelling investieren
  3. Persönliche Kanäle aufbauen und nutzen

 

Und was heißt das für mich in meiner Testgruppe „Familie & Co.“?

Wenn meine Tochter oder mein Sohn eben nicht meinen Ruf zum Runterkommen „Kinder, Essen ist fertig…“ hören, und auch die Kanäle, die ich alternativ genutzt habe, einfach ignorieren. Nicht in Panik ausbrechen: Einfach an den Tisch setzen, auf die Macht des Geruchs und des lauten Magenknurrens setzen. Denn irgendwann stellt sich auch bei ihnen ein, dass es sich lohnen könnte, mal die Nase aus dem Kinderzimmer zu strecken… falls die akustische oder digitale Ansage allein nicht ihre Wirkung erzielt hat.

Insofern: Ruhe bewahren – es braucht alles seine Zeit und – wenn Ihr Essen gut ist – die Wege kurz und das WLAN stark ist – dann essen Sie schon mal genüsslich vor und warten ab. Es ist noch niemand am vollen Tisch verhungert… so hieß es zumindest bei uns immer. Und bei Ihnen?

 

Ich freue mich auf Ihre Meinung und Erfahrungen – hier im Blog oder auf Facebook.

 

Ihre Martina Troyer

 

 

 

 

 

Autor: Martina Troyer

Martina Troyer ist Kommunikationswirtin und freiberuflich als Online-Redakteurin, PR & Social Media Consultant tätig. Sie entwickelt Webstrategien, optimiert Websites, erstellt Corporate Blogs und berät Unternehmen & UnternehmerInnen zu PR, Social Media & Online-Reputation - rund um einen gelungenen Auftritt im Web 2.0. Als Event-Reporterin ist sie mit ihrem Team auf Messen, Konferenzen & Events aus Kultur, Wirtschaft und Unterhaltung unterwegs - mit Social Media & Event-Reportagen. Daneben interessiert sie sich für Event- & Lifestyle-Themen und gibt das Ü30-Online-Magazin ThirtyUp heraus. Einen Überblick gibt's auch auf Martina Troyer zu sehen. Im Web findet man sie auch auf XING, Twitter, Google+ und Facebook.

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