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5 Mythen über Blogger und warum sie so nicht stimmen!

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Wenn man sich mit dem Thema Bloggen und Schreiben im Netz gefasst, kommt man schnell an den Punkt wo sich hartnäckig Gerüchte entwickeln und halten, weil manches romantisiert wird, anderes verteufelt. Mit einigen dieser Mythen möchte ich aufräumen und bin mir sicher, dass ich damit polarisiere. Dabei ermuntere ich gerne dazu, erneut über Regeln und Werte zu diskutieren – es wird auch in Zukunft nicht nur DEN EINEN EINZIG WAHREN Bloggerkodex geben. Aber wie könnte er aktuell gestaltet sein?

5 Blogger-Mythen

1. Blogger sind eine ganz besondere Spezies…
2. Blogger schreiben nur für sich
3. Blogger lieben (andere) Blogs
4. Blogger sind nicht professionell
5. Blogger wollen kein Geld verdienen

 

Zu 1.) Der Blogger als besondere Spezies?

Stimmt, oder auch nicht. Letztlich sind Blogger lediglich Menschen, die zu einem Thema oder auch Interessengebiet regelmäßig etwas zu sagen haben oder mitteilen wollen. Schrieb man früher noch Tagebuch (die mit dem kleinen Schloss daran – so kenne ich das noch aus meiner Jugend), wurde mit der Einführung des Weblogs (kurz: Blog) eine Möglichkeit geschaffen, auch andere an den eigenen Notizen und Aufzeichnungen teilhaben zu lassen.

Zu 2.) Der Blogger als Lonely-Writer?

Blogger schreiben sicher nicht nur um des reinen Selbstzwecks ohne die Absicht, dass das einer liest! Das kann mir niemand erzählen! Blogs werden öffentlich gestellt, damit andere sie lesen können – damit sie wahrgenommen werden. Wer behauptet, er schreibe nur für sich, könnte m.E. den Blog ja auch schließen (also für Außenstehende) bzw. nur per Passwort zugänglich machen. Tun die meisten aber nicht. 😉 In vielen schlummert ein Talent, in machen steckt gar ein Autor oder auch ein Journalist – letztlich ist der Wunsch nach Sichtbarkeit, Wahrnehmung und Einmischung aber legitim und vorhanden. Also warum auch nicht? Blogger, schämt euch nicht dafür, dass ihr gelesen werden wollt! Aber gebt auch nicht an damit, dass euch das eigentlich ja piepschnurzegal ist, ob euch jemand liest (und freut euch dann, wenn das hundertfach viral verbreitet wird!)… Ein bisschen Selbstverliebtheit ist okay, aber mehr auch nicht ;-).

Zu 3.) Blogger lieben Blogs? 

Ihren auf jeden Fall ;-). Sollte man meinen. Das ist ja auch gut so! Sonst wäre der Ansporn zum Schreiben ja nicht da! Denn etwas Disziplin gehört auch dazu – ein regelmäßiger Schreibrythmus zum Beispiel, aber das muss nicht ganz so strikt gehandhabt werden wie es im professionellen Blogbetrieb wünschenswert ist. Was uns zu Punkt 4. führt…

Zu 4.) Blogger sind nicht professionell? Das Ei war vor der Henne da? Oder nicht?

Blogger haben sich professionalisiert mit der Zeit. Und zwar in mehrfacher Hinsicht. Zunächst wurden sie immer besser in dem, was und wie sie schrieben – sie haben sich vernetzt (was zu Bloggercommunities und Blog-Netzwerken führte) und fingen an, Kooperationen mit Unternehmen und/oder anderen Bloggern bzw. Contentdistributoren einzugehen. Ihre Blogs fanden Leser und somit wurden sie wiederum für andere (Unternehmen oder Blogger) immer interessanter und so ging es weiter. Wo ein Markt, da auch Anbieter und Nachfrager. Also ging es irgendwann auch um das Thema ‚Geld verdienen’…

Zu 5.) Blogger wollen kein Geld verdienen?

Das persé anzunehmen, wäre schlichtweg naiv! Denn auch wenn aus meiner Sicht Werbeschaltungen nicht in einen Corporate-Blog gehören, so ist es mehr als legitim, wenn Blogger – als Experten zu ihrem Thema – Einnahmen durch Werbung oder Kooperationen generieren dürfen. Schließlich macht das jedes Online-Magazin genauso. Ja, selbstverständlich könnten Sie jetzt einwenden, dass da ja Journalisten sitzen, die ihren Job gelernt haben – etwas über Pressecodex und Objektivität erzählen usw. Das ist klar und die meisten Blogger erheben für sich auch nicht den Anspruch völliger Objektivität – im Gegenteil. Sie wollen Meinung mitteilen, sie wollen ggfs. auch polarisieren.

Dennoch sollte uns bewusst sein: Blogger haben sich im Laufe der Zeit immer mehr professionalisiert. Sie finden auch deshalb Leser, weil sie einen eigenen Stil entwickelt haben, weil man sie als glaubwürdig empfindet, ihnen vertraut. Und hier finden sich bereits Annäherungen an die journalistische Arbeit.

Wenn Geld ins Spiel kommt – her mit den Regeln?

Selbstverständlich muss der geneigte Leser wissen, wann und ob ein Blogger auch wirklich seine eigene Meinung zum besten gibt, oder ob es sich um eine „gekaufte“ Meinung handeln könnte. Nachdem diese Diskussion immer lauter wurde, haben sich einige Blogger sowie PR- und Medienagenturen mit den Rahmenbedingungen für einen Blogger-Kodex auseinandergesetzt. Diese Diskussionen trugen solche Blüten, dass an mehreren Stellen offen darüber ausgetauscht und festgehalten wurde, wie solche Beziehungen zwischen Auftraggebern (Marken/Unternehmen) und Auftragnehmern (Bloggern) ausgestaltet sein könnten (Stichwort: Blogger Relations)

Blogger-Kodex

(von PONY & BLOND, der Hamburger Agentur für Blogger Relations & PR aufgestellt und lt. eigener Aussage fortlaufend ergänzt); ET: 2014; Interessierte Blogger können sich einen Badge herunterladen)

hier wird bereits konkret auf Finanzielles und Vertragliches zwischen Agentur und Blogger eingegangen)
Lead-Digital hat die Grundlagen kurz & knapp zusammengefasst, um den Kern der Diskussion zu erfassen: Warum es wichtig ist, transparente Regeln für die Zusammenarbeit zu schaffen und warum es wichtig ist, verschiedene Modelle für eine faire Kooperation anzubieten, die auf Entlohnung setzt.

Erste Ansätze für faire Regelungen fand ich bei Su Franke auf Corporate Dialog. Sie verwies auf diese Grundsätze  aus 2005, die sich bereits Schweizer Politik-Blogs auf die Fahne geschrieben hatten: Fair Blogging.

So entstanden im Laufe der Zeit immer mehr themenbezogene Regelungen wie:

Es geht immer um Beziehungen

Die ganzen Diskussionen um einen Blogger-Kodex machten deutlich: Es ist nützlich, Regeln aufzustellen um die Beziehungen zwischen Unternehmen, Bloggern und Lesern transparent und glaubwürdig zu halten. Das es Beziehungen gibt, wurde nie in Zweifel gezogen.

Aber wie sollte das gehen?

Bereits im Oktober 2010 setzte sich Mike Schnoor mit einem Aufruf zur Blogparade mit dem Thema Blogger Relations auseinander.

Was folgte, war eine Riesenbeteiligung und letztlich die Entwicklung verschiedener Regelwerke, die sich Blogger-Communities auferlegten, quasi ein Trend, dem sich viele Blogger anschlossen.

Auch Kritik wurde laut. Brauchen wir so ein Regelwerk überhaupt? fragte Kai Thrun von der anderen (Blogger-)Seite des Tisches.
Und für wen genau soll es gelten?

Markus Sekulla hat in der Lead Digital denn auch noch Wünsche geäußert: Was fehlt, sind häufig konkrete Ansprechmöglichkeiten für Blogger, um an kooperationsfreudige Unternehmen zu kommen. Auch da sollte Transparenz herrschen.

Der Begriff Kodex geht einigen in der Diskussion zu weit. Das würde zu regellastig klingen.

Wie vielschichtig die Diskussion über Blogger-Relations wirklich ist und wie brandaktuell nach wie vor, merkt man an der Brisanz des Themas zum Beispiel auf Barcamps. Oder in Blogs auf denen weiter darüber debattiert wird – ein Ende ist (zum Glück) nicht in Sicht.

Brisanz für das Content Marketing

Meiner Ansicht nach ist die Diskussion darüber immer noch vorhanden, wenn auch nicht mehr ganz so offen und sichtbar wie vor gut zwei Jahren. Aber wichtig ist sie – vor allen Dingen, wo der Blogger auch in der klassischen PR und im Zuge des Content Marketings als einer der wichtigsten Ansprech- bzw. Kooperationspartner für Unternehmen und Marken gilt.

Auch ich werde immer wieder angeschrieben, ob ich hier nicht den ein oder anderen Link setzen möchte, oder mich mal diesem oder einem anderen Thema widmen möchte. NEIN – ich möchte selbst entscheiden, was und wozu ich etwas schreibe. Ich möchte in diesem Blog über Werbung für Drittfirmen keine Gelder verdienen. Ich schreibe, um Menschen Tipps für ihre strategische Unternehmenskommunikation zu geben und damit natürlich auch auf mich als Beraterin aufmerksam zu machen. Und das soll so bleiben. Aber das ist meine ganz persönliche Einstellung – die gilt hier und jetzt und in diesem Blog. Für mich. Andere Blogs – andere Regeln? Kommt auf die Beziehung an.

Interviewpartner gesucht: Ihr Statement zu Blogger-Relations

Dennoch stelle ich mir die Frage, wie solche Beziehungen auch aus Unternehmenssicht erfolgreicher gestaltet werden könnten? Welche Erwartungshaltungen bestehen da? Wie könnte Wertschätzung aussehen, wenn dabei dennoch durch den Blogger Unabhängigkeit gewünscht wird?

Beziehungen zu Bloggern gestalten: Wie könnte das in Zukunft aussehen?

Hierzu möchte ich in Zukunft einige Aspekte der Blogger-Relations – gerade aus dem Blickwinkel der PR und des Content Marketings – in loser Reihenfolge genauer beleuchten und lade herzlich zum Mitmachen ein. Möchten Sie zum Thema einen Gastbeitrag in meinem Blog verfassen? Oder mir in einem Interview Rede und Antwort stehen? Ein Statement zu Ihrer Vorstellung von guten Beziehungen abgeben? Und das aus Sicht als Blogger oder auch aus Unternehmenssicht?* Dann freue ich mich auf eine Nachricht und Ihre Kontaktaufnahme zum ersten Austausch.

Und wie ist Ihre Meinung?

Warum schreiben Sie? Was halten Sie von den 5 Blogger-Mythen? Sind sie für Sie nachvollziehbar? Ist der Blogger-Kodex heute mehr denn je ein Thema? Wie (er)leben Sie das als Blogger? Oder sitzen Sie auf Seiten der Marken und Unternehmen? Was wünschen Sie sich von den Bloggern?

Ich freue mich über Ihre Kommentare.

 

Ihre Martina Troyer

 

P.S.: Das Wort ‚Blogger‘ spricht Sie nicht an? Sie sind Bloggerin? Dann nehmen Sie mir die mangelnde genderneutrale Sprache (s. Wikipedia: geschlechtergerechte Sprache) bitte nicht übel. Das ist kein Statement, sondern nur Abstraktion. Das erlaube ich mir in diesem Blog. Einfach so. 😉

*Auch hier gilt: Wertschätzung! Rein werbliche Statements von Unternehmens- oder PR-Seite, die nicht zu einer offenen Diskussion beitragen, sollten Sie bitte vermeiden. Über alles andere können wir uns gerne austauschen. Danke!

 

 

 

Autor: Martina Troyer

Martina Troyer ist Kommunikationswirtin und freiberuflich als Online-Redakteurin, PR & Social Media Consultant tätig. Sie entwickelt Webstrategien, optimiert Websites, erstellt Corporate Blogs und berät Unternehmen & UnternehmerInnen zu PR, Social Media & Online-Reputation - rund um einen gelungenen Auftritt im Web 2.0. Daneben interessiert sie sich für Event- & Lifestyle-Themen und gibt das Ü30-Online-Magazin ThirtyUp heraus. Im Web findet man sie auch auf XING, Twitter, Google+ und Facebook.

Ein Kommentar

  1. Diese Mythen stimmen alle. Vor allem dass der Blogger ein Lonely Writer ist stimmt zwar so gesehen, vernetzt man sich allerdings richtig und sucht den permanenten Austausch ist man niemals alleine.

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